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Markttag in Vouzela Der Mann nimmt ein dickes Bündel Zwiebelpflanzen und füllt es in eine Plastiktüte. Nimmt ein zweites Bündel, füllt es in eine zweite Tüte. Eine Bündel für die Nachbarin, ein Bündel für mich. Die Bündel kosten fünf Euro das Stück. Die Nachbarin sagt zu dem Mann hinter dem Taptentisch: jetzt tun Sie mal noch in jede Tüte ein bisschen mehr rein, sonst kriegen wir Schläge von unseren Ehemännern. Ohne mit der Wimper zu zucken, greift der Verkäufer in seine Vorräte und legt noch ordentlich was drauf und zwar in jede Tüte. Interessanter Spruch von meiner Nachbarin. Wäre ich im Leben nicht drauf gekommen, so eine Verhandlungstaktik anzuwenden. Ich mit meiner Biff-Beratung-für-Frauen-Vergangenheit. |
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Beim Zahnarzt Ich muß zum Zahnarzt. Kommt ja manchmal vor. Leider. Zum Glück gibt es hier im Ort einen guten Zahnarzt. Nett, jung, gut ausgebildet. Praxis: klasse ausgestattet. Röntgenbilder im Computer erfaßt, bei Bedarf abrufbar. Ich brauche nicht im Wartezimmer zu warten, die Zahnarzthelferin ruft mich zehn Minuten vor der Behandlung an, da kann ich direkt hinkommen. Zwischen diesem Zahnarztbesuch und meinem ersten Zahnarztbesuch in Portugal liegen ein Vierteljahrhundert und im Grunde Welten. Damals wollte ich in Grandola zum Zahnarzt gehen. |
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Casa de Lavoura e Oficina do Linho – auf deutsch Haus der Feldarbeit und Leinen-Werkstatt ist ein ethnografisches Musem. Da haben wir uns also getroffen. Alleine wäre ich nie auf die Idee gekommen da hinzugehen, aber nun bin ich froh, dass ich da war. Versteckt irgendwo in der Pampe, zehn Kilometer von Viseu Richtung Norden. Hingefunden mit GPS. Im Dorf dreimal gefragt trotz GPS. Wir sind ca zwanzig Leute, also führen uns die beiden netten Frauen vom Museum in Zehnergruppen durch die Gebäude und erklären. Der Eindruck, den ich mitnehmea) Was bin ich froh, dass ich heute lebe und nicht damalsb) Was bin ich doch für eine Verschwenderin |
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Es gibt Wörter, die sind reichlich belastet. Zumindest für meine Generation. Dazu gehören die Worte Stammtisch und Deutschen-Treff. Umso merkwürdiger, dass ich jetzt zu sowas gehe. Und letztes Jahr bin ich in der Tat auf Deutschentreffen in drei Städten gewesen – in Viseu, in Vancouver und LA. Das klingt verrückt, ist es aber vielleicht nicht, wenn man näher drüber nachdenkt. Ausländer in Deutschland haben damit weniger Mühe. Die Portugiesen haben ihre Associação. Türken freuen sich, beim türkischen Gemüsehändler besonders gute Oliven aus der Heimat zu bekommen. Chinesen essen überall auf der Welt in chinesischen Restaurants. Wir Deutschen gestatten uns gerade mal unsere Sehnsucht nach dunklem Brot und Bratwurst. |
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